In
dem Buch "Neben den Grossen" von Ottfried Jauss, ist die Geschichte genau
beschrieben. Die Zehnder Werke, Gustav Rau und Wilhelm Gutbrod gründeten
die A.G. für Motorfahrzeug in Schleitheim-Oberwiesen (kanton Schafhausen),
Umzug nach Gränichen . Verlag Kajiser GMBH, 70336 Stuttgart Postfach
500661
DIE
SCHWEIZER STANDARD-MOTORRÄDER EIDGENÖSSISCHE HALBBRÜDER
Die Gründer der Standard-Fahrzeugfabrik GmbH Ludwigsburg/Württemberg
beschäftigten sich schon bald mit dem Export ihrer Produkte. Die Existenz
der Marke mit dem Puma in der Schweiz ist jedoch mit einer ganz besonderen
Geschichte verbunden. Hier handelte es sich nicht um importierte Zweiräder.
Allein die Tatsache, daß es in der Eidgenossenschaft technisch abweichende
Standard-Motorräder gab, die bis nach dem Krieg produziert wurden,
gab schon zu vielen, meist falschen Spekulationen Anlaß. Während
in Deutschland die Entstehung der Marke durch die GmbH-Gründung von
Gustav Rau und Wilhelm Gutbrod geradlinig verlaufen war, hatten die Schweizer
Standard-Motorräder drei weitverzweigte Wurzeln: die Schweizer Kollektivgesellschaft
J. Zehnder & Söhne in Gränichen AG, Herrn A. Gautschi sen.,
Direktor der Aluminiumwarenfabrik Gontenschwil AG und die Standard Fahrzeugfabrik
GmbH im württembergischen Ludwigsburg. Das älteste Unternehmen
dieses Trios, das sich mit Motorrädern befaßte, war die Firma
Zehnder. 1912 gründete J. Zehnder zusammen mit drei weiteren Familienmitgliedern
eine handeIsregisterlich eingetragene Kollektivgesellschaft. Zuvor betrieb
er als Einzelunternehmer einen Laden mit Reparaturwerkstätte und Vertretung
der Frankfurter Adler-Werke für Autos und Fahrräder
Der
kleine Familienbetrieb beschäftigte sich zunächst weiter mit
dem Handel und der Reparatur von Fahrrädern, Motorrädern und
Autos, aber auch Schreib- und Nähmaschinen, sowie Stationärmotoren
gehörten zum Programm. Im Laufe der Jahre begann J. Zehnder und seine
Söhne die Fabrikation von Werkzeugschleifmaschinen, Elektromotoren
und anderen elektrischen Geräten. Durch diese Aktivitäten geriet
der ursprüngliche Firmenzweck immer mehr ins Hintertreffen, und der
Betrieb wandelte sich zu einer reinen Maschinenfabrik. Im Jahre 1923 entstand
die Idee zur Leichtmotorradproduktion, denn das zurückgehende Geschäft
mit elektrotechnischen Artikeln, machte die Suche nach neuen Betätigungsfeldern
notwendig. In der Schweiz wurden, hauptsächlich von Condor und Motosaccoche,
Motorräder hergestellt. In der Fabrikation von Leichtmotorrädern
sah die Familie Zehnder eine Marktlücke. Vorbild des ersten Zehnder-Motorrads
war eine 1921 entstandene Konstruktion des Münchner Ingenieurs Fritz
Cockerell. Cockerell war Mitinhaber der Megola-Werke (1921 bis 1925), die
durch eine andere Cockerell-Konstruktion, das eigenartige Megola-Motorrad
mit Fünfzylinder-Umlaufmotor im Vorderrad bekannt wurden. Die Zehnder
110 dagegen wurde von einem quadratisch ausgelegten Dreikanal-Zweitakter
(52 mm Bohrung, 52 mm Hub, 110 ccm, ca. 1,5 PS) recht konventionell angetrieben.
Optisch besonders auffällig waren die zwei abgewinkelten oberen Rahmenrohre
und der über dem Motor liegende Tank. Unter Erwin Zehnder, einem Sohn
des Firmengründers, wurde im Spätherbst 1923 mit der Produktion
begonnen. Im Januar 1924 wurde die seitherige Kollektivgesellschaft in
eine AG umgewandelt. |